Fensterratgeber

Die Angst vor Einbrüchen treibt viele Menschen um. Den besten Schutz bieten dabei oft einbruchhemmende Fenster. Wir klären auf, was diese ausmacht und wie sich auch alte Fenster nachrüsten lassen.


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Die Verbesserung des Einbruchschutzes hielten 91 Prozent der Teilnehmer einer Emnid-Umfrage im März 2018 für eine der dringlichsten Aufgaben der Politik. Damit konnte lediglich die Sicherung der Rente den Einbruchschutz auf Rang zwei der Liste verweisen. Die Verletzung der Privatsphäre und der damit einhergehende Sicherheitsverlust wiegen für die meisten Einbruchopfer weit schwerer als die materiellen Folgen. Kein Wunder, dass die Sicherheitsbranche floriert.

Doch tatsächlich effektiver Schutz muss nicht so teuer sein, wie viele Anbieter ihren Kunden glauben machen wollen. Experten empfehlen: Du solltest mit dem Einbau oder der Nachrüstung einbruchhemmender Fenster und Türen beginnen, denn diese Maßnahmen leisten den wirkungsvollsten Beitrag zur Sicherung deines Zuhauses. In Kenntnis der Herangehensweise von Einbrechern lassen sich eindeutige Handlungsbedarfe ausmachen. Im Anschluss erfährst du, worauf du beim Einbau neuer oder der Aufrüstung alter Fenster genau achten solltest.

Worauf es ankommt: Vorgehensweisen der Einbrecher kennen

Der Handel und die Montagebetriebe bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Steigerung der Einbruchsicherheit. Doch um herauszufinden, welche Maßnahmen den größten Sicherheitsgewinn bieten und welche du eher niedrig priorisieren kannst, solltest du wissen, wie die Täter vorgehen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verbreiteten Tätermethoden und welche mechanische Maßnahme zu deren Abwehr geeignet ist.

Methode Beschreibung Abwehr
Aufhebeln Fenster mit Schraubenzieher und/ oder Keil aufhebeln Pilzkopf-Beschläge
Durchstechen der Glasdichtung Mit Schraubenzieher durchstechen, um Fenstergriff zu erreichen Abschließbarer Fenstergriff
Abbrechen des Profilzylinders Profilzylinder abbrechen und herausziehen Innenverschraubte Schutzbeschläge
Glasdurchgriff Glas einschlagen, um Fenstergriff zu erreichen Abschließbarer Fenstergriff, einbruchhemmende Verglasung

 

Die Methode des Glasdurchgriffs kommt wegen des Verletzungsrisikos für den Täter und des Lärms bereits bei lediglich 10 Prozent aller Einbrüche zum Einsatz. Du siehst: Mechanische Maßnahmen zur Einbruchsicherung der Fenster und Türen (z.B. zum Balkon) können das Einbruchrisiko äußerst wirkungsvoll senken, denn sie decken einen Großteil der zu erwartenden Angriffe ab. Oft reicht es außerdem schon, den Einbrecher nur wenige Minuten aufzuhalten, denn fast in der Hälfte aller Fälle gibt er dann sein Vorhaben auf.

Doch neben mechanischer Sicherungstechnik gibt es auch elektronische Produkte, die Einbrechern das Leben schwer machen sollen. TV-Simulatoren, die deine Anwesenheit vorspiegeln, Glasbruchsensoren und smarte Überwachungskameras schlagen häufig mit sehr hohen Kosten zu Buche. Dabei ist ihre Wirkung nicht immer so gut wie erwartet. Oft bist du besser beraten, zuerst mechanische Maßnahmen an oft vernachlässigten Bauteilen wie Garagentoren und Dachfenstern umzusetzen, denn hier machst du es Einbrechern besonders einfach.

Mechanischer Einbruchschutz für Fenster

Die Anforderungen an einbruchhemmende Fenster und einbruchsichere Fassaden regelt seit September 2011 DIN EN 1627. In dieser Norm findet sich die Einteilung der Produkte in verschiedene Widerstandsklassen. Das Besondere daran: Über die Zugehörigkeit zur entsprechenden Klasse entscheidet eine praxisgerechte Prüfung der Gesamtkonstruktion. So müssen Rahmen, Beschläge und Verglasung ihre Leistungsfähigkeit nicht getrennt, sondern in ihrem Zusammenwirken unter Beweis stellen. Das Ergebnis ist die Einteilung in die Widerstandsklassen RC 1 bis RC 6, wobei eine höhere Klasse einen besseren Schutz verspricht, wie du der Tabelle entnehmen kannst.

Widerstandsklasse Schutzwirkung gegen
RC 1 N Leichten Einsatz von Hebelwerkzeugen
RC 2 N Versuch, das verschlossene und verriegelte Bauteil mit einfachen Werkzeugen aufzubrechen
RC 2
RC 3 Einsatz von zweitem Schraubenzieher und Kuhfuß oder Bohrwerkzeug, um Fenster aufzubrechen
RC 4 Einsatz eines Schlagwerkzeuges wie Axt, Stemmeisen, Hammer oder Akku-Bohrmaschine
RC 5 Einsatz von Elektrowerkzeugen wie Bohrmaschine, Stichsäge, Säbelsäge oder Winkelschleifer
RC 6 Einsatz besonders leistungsfähiger Elektrowerkzeuge

 

Das Kürzel N kennzeichnet den Verzicht auf eine Sicherheitsverglasung. Fenster der Klasse RC 1 N eignen sich nur für Verwendungsorte ohne Standfläche, an die der Täter ausschließlich mit einer Aufstiegshilfe gelangen kann. Für den Einsatz in geringeren Höhen, in denen jedoch kein direkter Angriff auf das Glas zu erwarten ist, eignen sich Exemplare der Widerstandsklasse RC 2 N.

Anforderungen an die Installation, die dir Sicherheit bieten

Die Prüfungen an den Musterfenstern nehmen verschiedene Zertifizierungsstellen vor, die außerdem die Produktion laufend überwachen. Zu bedenken gilt es jedoch, dass die Fenster zwar für sich genommen den Einbruchschutz unter Beweis gestellt haben. Doch wirklich schützen können sie dein Zuhause nur, wenn sie fachmännisch eingebaut wurden. Ein Fachbetrieb händigt dir eine Montagebescheinigung aus, die bestätigt, dass das Fenster nach Herstelleranleitung fest mit dem Mauerwerk verankert wurde. Listen entsprechend qualifizierter Montagebetriebe erhältst du entweder direkt bei überregional tätigen Fensterherstellern oder auch bei der Polizei.

Den aktuellen Stand der Technik in Sachen Einbruchschutz solltest du bei sämtlichen Anwendungsfällen berücksichtigen. Für alle aufgelisteten Situationen bietet der Handel passende Lösungen an.

  • Neubauvorhaben
  • Austausch bei Renovierungen
  • Nachrüstung vorhandener Fenster

Neue Fenster einbauen: So stoppst du Einbrecher

Die Polizei empfiehlt für den privaten Bereich den Verbau von Fenstern der Widerstandsklasse RC 1 N bis RC 3. Als Grundsatzempfehlung gilt RC 2. Fenster dieser Widerstandsklasse verfügen über Pilzkopf-Beschläge, eine einbruchhemmende Verglasung der Klasse P4A und einen abschließbaren Fenstergriff.

Sicherheits-Rollzapfen (Pilzzapfen) steigern den Einbruchschutz.
Pilzkopf-Beschläge sind rund um den Fensterflügel angebracht und greifen beim Schließen in ihre Gegenstücke, stabil mit dem Rahmen verschraubte Schließbleche aus Stahl. Dank ihrer T-Form verkrallen sie sich dort besonders fest. Fenster, die sich in den Prüfungen ein RC 3 verdienen, weisen einen durch P5A-Verglasung nochmals gesteigerten Schutz auf.

Vorhandene Fenster einbruchhemmend machen

Für die Nachrüstung vorhandener Fenster empfiehlt die Polizei ebenfalls vor allem den mechanischen Schutz gegen das Aufhebeln. Pilzkopf-Beschläge, abschließbare Fenstergriffe und einbruchhemmendes Glas der Klasse P4A stehen auch hier auf der vorgeschlagenen Einkaufsliste. Alternativ zu den Pilzkopf-Beschlägen kommen auch Aufschraubsicherungen in Betracht. Damit sie wirksam schützen, sollte je eine Sicherung auf der Band- und auf der Griffseite angebracht werden. Der zentrale Unterschied solcher Nachrüstlösungen zum kompletten Austausch: Für sich genommen bieten die Komponenten einen den Komplettfenstern ebenbürtigen Einbruchwiderstand. Die Einzelteile zum Nachrüsten wurden aber nicht auf ihre Wirksamkeit als Gesamtelement getestet.

Allgemein sinnvolle Ergänzungen zu diesen Maßnahmen zeigt die folgende Liste. Diese kannst du als Leitfaden für Beratungsgespräche nutzen, um gezielt nachzufragen, welcher Nutzen bei deiner Immobilie zu erwarten ist.

  • Einbruchhemmende Sicherheitsfolie
  • Getriebeanbohrschutz
  • Gesicherte Glashalteleisten

Beratung und Förderung

Bei der Auswahl der wirkungsvollsten Maßnahmen zum Schutz deiner Wohnung vor Einbruch unterstützt dich auch das zuständige Landeskriminalamt. Auf das Themengebiet spezialisierte Beamte erreichst du beispielsweise auf Handwerksmessen, wo sie an eigenen Ständen zum Thema Einbruchschutz beraten. Die Landeskriminalämter stellen auf ihren Seiten außerdem Adressverzeichnisse von geprüften und zertifizierten Herstellern und Montagebetrieben für die verschiedensten einbruchhemmenden Produkte zur Verfügung. Entsprechende Kontaktangaben zu polizeilichen Beratungsstellen, Architekten, Handwerkern und Sachverständigen erhältst du auf den Seiten der Initiative Zuhause sicher. Weitere Informationen zu wichtigen Themen, unter anderem darüber, wie du als Mieter für einen verbesserten Einbruchschutz sorgen kannst, bietet die Initiative „Nicht bei mir!“.

Für die Nachrüstung von Maßnahmen zum Einbruchschutz musst du je nach Fenster mit Kosten zwischen 200 und 300 Euro rechnen. Genauere Aussagen lässt nur eine Fachberatung mit umfassender Bewertung der Gesamtsituation zu. Material- und Lohnkosten sind jedoch förderfähig. So erhältst du von der KfW eine Unterstützung durch die Programme Energieeffizient Sanieren oder Altersgerecht Umbauen. Die wichtigste Voraussetzung: Beratung und Einbau durch ein Fachunternehmen des Handwerks. Oft lässt sich der Einbau einbruchsicherer Fenster mit ohnehin notwendigen Arbeiten an den Fenstern verbinden. Das gesteigerte Sicherheitsempfinden ist dann nur einer von vielen Vorteilen.


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Die Hubert-Redaktion besteht aus langjährigen Experten aus Bereichen wie Holzbau, Architektur und Fenster und Türen. Die Fachautoren teilen ihre Erfahrung, berichten über aktuelle Entwicklungen und liefern hilfreiche Tipps, Tricks und Ratschläge für deine (Bau-)Vorhaben.