Der Werkstoff Holz

Mit Kirschholz verbinden wir oft Möbel aus der Biedermeier-Zeit oder des Jugendstils. Bis heute kommt das edle Holz vor allem im Möbelbau zum Einsatz. Wir klären über Erscheinungsbild, Eigenschaften und Verarbeitung auf.


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Die Kirsche hat ein ganz eigenes Erscheinungsbild, das ihr während der Epochen des Biedermeier und des Jugendstils eine besonders große Bedeutung im Möbelbau eingebracht hat. Auch heute ist das helle, ruhig aber angenehm strukturierte Holz sehr hoch angesehen. Vor allem die begrenzte Verfügbarkeit steht einem breiteren Einsatz im Weg. Das liegt zum einen an dem geringen Aufkommen an Kirschbäumen im Wald und zum anderen an der mangelhaften Holzqualität von Bäumen aus Obstplantagen.

Auf der anderen Seite stehen Tischler und Instrumentenbauer, die sich um die schönsten Stücke streiten. Heimwerker greifen dagegen oft zur Beize, um preiswertere Hölzer farblich anzugleichen. Nach welchen Kriterien du echtes Kirschholz aussuchen solltest und wie du es optimal weiterverarbeitest, zeigen wir in den folgenden Abschnitten.

Erscheinungsbild

Gegenüber den übrigen Laubbäumen, die holzwirtschaftlich genutzt werden, ist die Kirsche von eher kleiner Statur. Einen Kirschbaum erkennst du neben seinen Früchten und Blättern auch an der rötlichgrauen, glänzenden Rinde. Bei der Ernte weist der Kirschbaum meist einen astfreien Schaft von nicht mehr als fünf Metern Länge auf. Zusammen mit dem eher geringen Durchmesser begrenzt das die Holzausbeute stark.

Ihre feine Oberfläche macht die Kirsche bereits ohne Oberflächenbehandlung zu einer besonders edlen Erscheinung.

Wer hätte es gedacht, frisch geschnittenes Kirschholz hat einen angenehmen Kirschduft. Doch das Holz bietet auch etwas für das Auge. Im Querschnitt erkennt man deutlich das weiße bis gelbliche Splintholz, das meist zwischen drei und fünf Zentimetern misst. Das Kernholz hebt sich im frischen Zustand durch seine gelblichbraune Farbe ab. Mit dem Nachdunklen intensiviert sich die Färbung zu einem Rotbraun. Der Wechsel von Früh- und Spätholz ist deutlich sichtbar und verleiht der Oberfläche im Tangentialschnitt eine ruhige Struktur. Ihre feine Oberfläche macht die Kirsche bereits ohne Oberflächenbehandlung zu einer besonders edlen Erscheinung.

Das Holz der Kirsche hat einen unaufdringlichen, aber nicht minder natürlichen Charakter. Gerade die sanfte Färbung und die feine Struktur machen den Reiz dieser Holzart aus. Auch wenn das Kirschholz in kleineren Stücken verwendet wird, bleibt dieses Erscheinungsbild erhalten. Eine häufig anzutreffende Abweichung im Erscheinungsbild ist eine grünlichgraue Verfärbung der äußeren Kernholzbereiche. Bei der Auswahl deines Kirschholzes solltest du außerdem darauf achten, dass die Färbung möglichst hell und gleichmäßig ausgeprägt ist. Ein geringer Splintanteil ist zudem gleichbedeutend mit einem höheren erzielbaren Nutzungsgrad.

Technische Eigenschaften

Bei der Kirsche schwankt das Rohgewicht stark. Kirschholz in leichten Qualitäten ist hinsichtlich seiner technischen Eigenschaften mit Birke vergleichbar. Die Hölzer weisen mittlere Dichten und Festigkeiten auf.

Die Kirsche hat ein ganz eigenes Erscheinungsbild, das ihr während der Epochen des Biedermeier und des Jugendstils eine besonders große Bedeutung im Möbelbau eingebracht hat.

Im Allgemeinen zeichnet sich Kirschholz durch eine gute Bearbeitbarkeit aus. Vor allem beim Fräsen, Drechseln und Schnitzen wird der Handwerker durch außerordentlich schöne Oberflächen belohnt. Die Kirsche hat daher unter Kunsthandwerkern einen guten Ruf.

Was die Dauerhaftigkeit anbelangt, so ist das Kernholz nach dem Einschlag besonders anfällig für Pilzbefall. Beim Trocknen ist also besondere Sorgfalt gefragt. Dies gilt auch, weil das feuchte Holz beim Kontakt mit Eisenmetallen eine graue Färbung annehmen kann. Wenn dem Holz erfolgreich die Feuchtigkeit entzogen wurde, hat es aber ein befriedigendes bis gutes Stehvermögen. Auch hier macht sich wieder eine gute Selektion bezahlt, denn das gilt nur bei geradfaserigem Wuchs.

Verwendung

Der Nachschub an solchem Kirschholz ist begrenzt. In der höchsten, für die Furniergewinnung geeigneten Qualitätsstufe kann das Kirschholz daher beachtliche Preise erzielen. Wo es die Anforderungen zulassen, sind gemesserte Furniere eine beliebte Alternative zum Einsatz von Massivholz. Bei großformatigeren Möbeln und Pianos sind sie die einzige bezahlbare Option zur Erzielung einer natürlichen Kirschoptik.

Wer tief genug in die Tasche greift, der kann aber auch unbesäumtes Schnittholz in verschiedenen Stärken vom Holzhändler beziehen. Je nach Einsatzzweck sollte man dabei aber ein besonders gutes Auge auf die vorliegende Qualität haben. Die Leimholzpreise für Kirschholz in den verschiedenen Qualitäten liegen meist über Eiche aber unter Nussbaum. Das Vollholz wird hauptsächlich für die Möbelproduktion eingesetzt. Hier kommt die ruhige Maserung des Kirschholzes besonders zur Geltung.

Kirsche eignet sich für Projekte, bei denen sehr detailliert gearbeitet werden soll.

Kleinmöbel, Sitzmöbel und Tische sind die häufigsten Verwendungsbereiche. Willst du die übrige Innenausstattung Ton in Ton halten, dann kannst du auch Bilderrahmen, Drechselwaren und weitere Accessoires aus dem edlen Holz kaufen.

Verarbeitung

Egal ob das Holz vom dem eigenen Baum stammt oder als Schnittholz vom Sägewerk oder Holzhandel bezogen wurde – ohne gute Trocknung taugt das Holz nicht einmal als Brennholz. Leider kann beim Trocknungsprozess einiges schief gehen. Ungeduldige freuen sich zwar über die kurze Dauer der Trocknung, müssen aber mit einem verhältnismäßig hohen Materialverlust durch unerwünschte Reaktionen des Holzes rechnen.

Kirschholz lässt sich mit hoher Präzision bearbeiten. Hobeloberflächen sind von hoher Güte und scharfkantig, wodurch sich präzise Passungen umsetzen lassen. Kirsche eignet sich daher für Projekte, bei denen sehr detailliert gearbeitet werden soll. Besondere Vorsicht ist aber beim Hobeln von drehwüchsigem Kirschholz geboten. Durch den ungünstigen Faserverlauf kann es nämlich leicht zu Ausrissen kommen. Soll das Werkstück eine glänzende Oberfläche erhalten, wie sie die natürliche Schönheit des Holzes besonders gut zur Geltung bringt, dann kann sich das als äußerst ärgerlich erweisen. Unsauber ausgeführte Stellen werden durch das Hochglanzfinish nämlich noch hervorgehoben. Dem Handwerker kommt bei der Herstellung eleganter Holzverbindungen zugute, dass Kirschholz sich gut leimen lässt.

Oberflächenbehandlung und Pflege

Die Holzart Kirsche zeichnet sich durch eine besonders feinporige Struktur aus. Dies sorgt ähnlich wie bei der Buche dafür, dass sich geschlossene Oberflächen ohne Probleme erzeugen lassen. Ein Beispiel dafür sind die Möbel aus der Biedermeierzeit. Diese verfügen häufig über eine brillante Schellackpolitur, die du mit etwas Übung und dem richtigem Material auch selbst herstellen kannst. Die Schellackpolitur ist der Tipp für alle Heimwerker, die ohne teures Spezialequipment Hochglanzoberflächen herstellen wollen. Ein weiterer Vorteil: Die Politur alter Möbel lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand auffrischen.

Generell zeigt sich die Zusammensetzung der Kirsche unproblematisch für sämtliche Verfahren der Oberflächenbehandlung. Durch den fachgerechten Einsatz alkalischer Substanzen kannst du Kirschholz eine Farbe verleihen, die Mahagoni nahe kommt. Doch auch andere Beizen nimmt das Holz dank seiner feinporigen Struktur gut an. Durch geschicktes Beizen kannst du die Kirschoptik auch mit Buche oder amerikanischer Erle imitieren.

Foto “Biedermeier Wohnzimmer” via Huhu Uet – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Wikimedia


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