Der Werkstoff Holz

Dank ihres schnellen Wachstums und der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zählt die Esche nach wie vor zu den forstwirtschaftlich interessantesten heimischen Hölzern. In diesem Artikel erfährst du, wie du das äußerst dekorative Holz verarbeiten kannst und für welche Einsatzzwecke es sich eignet.


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In unseren Breiten zählt die Esche neben Eiche und Buche zu den wichtigsten Laubholzquellen. Doch trotz ihres hohen Stellenwerts für die Holzwirtschaft ist der Bestand der Holzart in ganz Europa bedroht. Verantwortlich dafür ist das erstmals im Jahr 2008 registrierte Eschentriebsterben. Dabei handelt es sich um einen bisher nicht direkt bekämpfbaren Pilz, der infizierte Äste absterben lässt. In der Folge ist der Baum anfälliger für weitere Schädlinge, die sein Überleben bedrohen können. Wegen der schlechten Zukunftsprognose raten Forstverwaltungen in vielen Regionen den Waldbauern von der Pflanzung neuer Eschenbestände ab.

Erscheinungsbild

Die Esche erreicht Höhen zwischen 30 und 40 m und kann bis zu 250 Jahre alt werden. Im bewirtschafteten Wald wird die Esche nach 80 bis 120 Jahren geerntet. Der für die Holzausbeute maßgebliche astfreie Schaft wird oft 15 m lang. Nach dem Einschnitt zeigen sich die ringförmig angeordneten Poren und die insgesamt helle Farbe bei Splint und Kern. Auffällig ist das meist über 10 cm breite Splintholz. Früh- und Spätholz lassen sich sehr deutlich voneinander abgrenzen.

Im Tangentialschnitt, also außerhalb der Stammmitte, ergibt das eine sehr deutlich strukturierte Optik, die auch als Fladerung bezeichnet wird. In der Stammmitte zeigen sich dagegen markante Streifen. Wie die Buche ist die Esche ein fakultativer Kernholzbildner, das heißt, dass der Baum nur unter bestimmten Voraussetzungen einen Farbkern ausbildet. Dabei nimmt der Kern bei der Erle eine braune oder olivfarbige Färbung an. Während der sogenannte Olivkern selten vorkommt, ist der Braunkern überaus verbreitet. Entsprechend gestalten sich die Preise am Markt: Holz mit Olivkern wird höher bewertet als Holz ohne Farbkern, der weit verbreitete Braunkern senkt dagegen den Marktwert. Über die letzten Jahre zeigt sich allerdings ein deutlicher Trend zur gesteigerten Nachfrage nach Hölzern mit einem lebendigen Erscheinungsbild, die vorher als fehlerhaft aussortiert worden wären. Eine solche Entwicklung ist auch bei der Esche mit Braunkern denkbar.

Technische Eigenschaften

Neben dem dank der hellen Farbe und der markanten Struktur sehr dekorativen Erscheinungsbild sind auch die technischen Qualitäten des Holzes interessant. Die Esche liefert ein hartes, aber gleichzeitig elastisches Holz. Zu beachten gilt es, dass das Gewicht der Esche und damit die Ausprägung der technischen Eigenschaften stark von ihrem Wuchsort abhängen. Willst du das Eschenholz nicht für rein optische Zwecke anwenden, dann solltest du das bereits beim Kauf im Hinterkopf behalten. Du erkennst gute Qualitäten an den breiteren Jahrringen. Auch die Farbe unterliegt einer beachtlichen Streuung, sodass es sich empfiehlt, für ein Möbelstück nur Holz aus einem Stamm zu verwenden.

Den Einsatzbereich der Esche schränkt aber die mangelhafte Dauerhaftigkeit ein. Ihre Verwendung ist daher in der Regel auf den witterungsgeschützten Innenraum begrenzt. Abhilfe schafft bei der Esche die thermische Modifikation des Holzes. Neben der Dauerhaftigkeit erhöht sich dabei auch die Dimensionsstabilität des Materials, was ebenfalls der Eignung zum Außeneinsatz zugutekommt. Die sogenannte Thermoesche wird als Terrassendiele für verschiedene Verlegesysteme angeboten.

Verwendung

Wegen der Kombination aus hoher Härte und Elastizität ist das Holz der Esche für die Herstellung dynamisch beanspruchter Teile prädestiniert. Ihre Stärken kann die Esche insbesondere dann ausspielen, wenn sie zu Sportgeräten, Werkzeugstielen oder Schlägeln für Schlaginstrumente verarbeitet wird. Das interessante Erscheinungsbild qualifiziert die Esche aber auch für viele andere Anwendungen im Innenraum.

Dank der hohen Härte lassen sich abriebfeste Treppen und Fußböden herstellen, aber auch für Wandvertäfelungen oder für den Möbelbau eignet sich das Holz. Eschenfurnier ist deshalb besonders attraktiv, weil es viele günstige Eigenschaften aufweist und zu vergleichsweise niedrigen Preisen gehandelt wird. So kannst du mit Eschenholz auch größeren Flächen oder Möbelfronten eine hochwertige Optik verleihen, ohne dass die Kosten außer Kontrolle geraten.

Die Esche ist daher ein guter Ersatz für andere, begrenzt verfügbare Holzarten. Was die Optik anbelangt, kann die Esche mit Olivkern die ungleich teurere Olive ersetzen. Kommt es eher auf die technischen Merkmale an, dann stellt die Esche eine Alternative zu Hickory und Robinie dar, die ebenfalls für den Spiel- und Sportgerätebau eingesetzt werden.

Verarbeitung

Bevor das Holz allerdings verarbeitet werden kann, muss es erst getrocknet werden. Wird dem Eschenholz die Feuchtigkeit schonend entzogen, dann lassen sich Risse und Verwerfungen gut vermeiden. Zur natürlichen Trocknung kannst du das Holz im Freien stapeln, wobei du die Hirnenden schützen solltest. Der Gerbsäuregehalt verhindert ebenso wie bei der Eiche einen Schädlingsbefall. Das Regenwasser spült die Gerbsäure aus dem Holz und macht es spannungsärmer, es kann aber auch einen ungewollten Effekt haben: Bleibt Wasser im Holzstapel stehen, dann bilden sich braune Lohflecken.

Das Eschenholz kannst du mit allen üblichen Werkzeugen und Verfahren sauber bearbeiten. Sehr gut eignet sich die Esche zum Biegen, aber auch für Drechselarbeiten. Verbindungen, die durch Nageln, Schrauben oder Leimen hergestellt wurden, halten gleichermaßen gut. Die möglichen deutlichen Gewichtsunterschiede des Eschenholzes machen sich bei der Verarbeitung bemerkbar. Besonders leichte Qualitäten haben einen Hang zum Ausreißen beim Hobeln. Davon abgesehen ist das Hobelbild in der Regel sauber und mattglänzend. Da sich die Festigkeiten von Spät- und Frühholzzonen stark unterscheiden, solltest du Bohrlöcher vorher ankörnen. Dadurch verringerst du die Gefahr, dass der Bohrer in die weicheren Zonen verläuft.

Oberflächenbehandlung und Pflege

Wie bei der Verarbeitung zeigt sich die Holzart Esche auch bei der Oberflächenbehandlung unkompliziert. Eschenholz kannst du optisch aufhellen, indem du Porenfüller verwendest. Beim sogenannten Kalken setzen sich weiße Pigmente in der Oberfläche fest und ändern das Erscheinungsbild des Holzes.

Die im Möbel- und Lautsprecherbau häufig als Black Ash beworbene Oberfläche macht sich die markante Struktur des Eschenholzes zunutze.

Dieser Farbeffekt wird auch in der industriellen Verarbeitung zu Möbeln und Fußbodenbelägen häufig zum Einsatz gebracht. Willst du die natürliche Färbung erhalten, dann empfiehlt sich die Behandlung mit einem UV-Schutzlack, der das Vergilben verhindert.

Die im Möbel- und Lautsprecherbau häufig als Black Ash beworbene Oberfläche macht sich die markante Struktur des Eschenholzes zunutze. Hergestellt wird der Effekt meist mit einem Eschenfurnier, dessen Maserung trotz deckender schwarzer Oberflächenbehandlung deutlich zu Tage tritt. Diesen Effekt kannst du mit einfachen Mitteln selbst herstellen. Dazu beginnst du mit dem bereits verleimten Furnier, dessen Oberflächenstruktur du mit einer Bronzebürste verstärkst. Nach der Behandlung mit einer schwarzen Beize nimmt das Holz eine graue Färbung an. Im letzten Schritt versiegelst du die Oberfläche mit einem schwarzen Lack. Dieser sackt in die Poren hinein, sodass die strukturierte Oberfläche erhalten bleibt. Der markante Charakter der Esche zeigt sich dann nicht durch die Holzfarbe, sondern durch die Fladerung. Wir meinen: Ausprobieren lohnt sich, wer sich traut, wird durch eine sehr ansprechende Optik belohnt.


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