Der Werkstoff Holz

In den folgenden Abschnitten liest du, welche technischen und optischen Eigenschaften die Holzart Erle auszeichnen und worauf du achten solltest, wenn du eigene Projekte mit dem Material realisieren oder einen Handwerker mit der Umsetzung beauftragen willst.


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Die Gattung der Erle umfasst mehr als 30 verschiedene Arten, die sich jeweils zu nahezu gleichen Teilen auf Europa, Nordamerika und Asien verteilen. Als wasserliebende Baumart wächst die Erle bevorzugt an Bächen, Seen und in Mooren. Die Erle zählt wie etwa die Moorbirke und die Höhenkiefer zu den Pionierholzarten. Diese Bäume sind die ersten, die beispielsweise auf Brand- oder Windwurfflächen schnell wachsende Bestände bilden. Sie verbessern feuchten, luft- und nährstoffarmen Boden, sodass sich auch anspruchsvollere Holzarten wieder ansiedeln können.

Erscheinungsbild

Im Bestand kannst du die Erle am vollrunden Querschnitt des meist gerade gewachsenen Stammes erkennen. Der für die holzwirtschaftliche Verwertung wertvollste Teil des Baumes, der astfreie Schaft, kann Längen von bis zu 8 m erreichen, während der ganze Baum bis zu 27 m lang wird.

Als Fehler zeigt sich beim Fällen älterer Stämme oft ein Faulkern. Beim Einschnitt im Sägewerk treten auch bei jüngeren Bäumen eingewachsene Äste zutage.

An den Bohlen lässt sich erkennen, dass die Erle kein echtes Kernholz ausbildet. Dennoch nimmt die Intensität der Färbung zur Stammmitte hin zu. Im frischen Zustand hat das Holz eine leuchtend orangerote bis blassgelbe Farbe, die nach dem ersten oberflächlichen Abtrocknen ins orange bis bräunliche übergeht. Ist die Trocknung abgeschlossen, dann zeigt sich das Holz wiederum blassgelb bis rötlichbraun. Was die Struktur des Holzes angeht, so ist diese wegen geringer Farbunterschiede zwischen Früh- und Spätholzzonen nur schwach ausgeprägt. Auch die sehr feinen und unregelmäßig angeordneten Poren tragen wenig zur optischen Strukturierung bei. Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Erle sind die Scheinmarkstrahlen. Diese entstehen durch lokal sehr dicht zusammenstehende Holzstrahlen. Insgesamt hat das Holz der Erle einen gleichmäßig, aber wenig strukturierten Charakter ohne sichtbare Poren.

Technische Eigenschaften

Das Stehvermögen liegt nach dem Trocknen in einem guten Bereich. Anders verhält es sich mit der Widerstandskraft gegen den Befall von Holzschädlingen: Pilzen und Insekten hat die Erle wenig entgegenzusetzen. Doch in einem Kriterium reiht sich die Erle direkt neben der Eiche ein: Beide Holzarten erreichen sehr hohe Haltbarkeiten, wenn sie dauerhaft in Süßwasser untergetaucht sind. Die Dichte des Holzes bewegt sich im mittleren Bereich, es ist deutlich weicher als das der Buche. Daher eignet sich Erlenholz nicht für die Herstellung tragender Konstruktionen. Der Vorteil der Erle gegenüber der Buche liegt auf einem anderen Bereich: Bei geringerem Gewicht ist das Holz dennoch ähnlich zäh, biegsam und elastisch.

Verwendung

Schnittholz von der Erle ist in den gängigen Längen von 2,5 bis 4,2 m gut erhältlich. Die Stärke der meist ungeschälten Bohlen rangiert meist in einem Bereich von 25 bis 100 mm, Breiten über 300 mm sind nur sehr selten zu finden. Auch als geschältes und gemessertes Furnier vertreibt der Fachhandel Erlenholz. Daneben umfasst das Angebot eine große Auswahl von Leisten und Profilhölzern sowie Furnier- und Tischlerplatten aus Erle.

Der Preis von Erle liegt unter denen von Esche und Buche, sodass sich das Holz auch gut für deine Einsteigerprojekte eignet.

Als Vollholz wird Erle hauptsächlich für die Herstellung kleinerer Möbelteile wie Schubkästen und Zierleisten genutzt. Auch für Dekorationsgegenstände wie Bilderrahmen, Spielzeug und im Modellbau kommt das Holz zum Einsatz. In Form von geschältem oder gemessertem Furnier ist die Erle ein Rohstoff für die Herstellung von Platten und Vertäfelungen. Die mangelnde Festigkeit macht einen Einsatz als Bausperrholz jedoch unmöglich. Im Innenausbau kommt das Holz dank seiner ruhigen optischen Wirkung auf großen Flächen wie Türen und Fußboden zum Einsatz. Abgesehen davon begegnet dir das Erlenholz im Alltag in Form von Obst- und Zigarrenkisten. Der Preis von Erle liegt unter denen von Esche und Buche, sodass sich das Holz auch gut für deine Einsteigerprojekte eignet.

Verarbeitung

In der Trocknung zeigt sich das Erlenholz unkompliziert, nur selten treten Risse und Verwerfungen auf. Doch das Holz neigt ebenso wie die Linde zum Verstocken. Eine zu hohe Feuchtigkeit führt dabei zum Befall durch verschiedene Nassfäulepilze, die die Holzstruktur vollständig zerstören. Verstocktes Holz erkennst du an aufgequollenen Holzfasern, einem sehr geringen Gewicht und der bröckligen Konsistenz. Kaufst du das Schnittholz bei einem Holzhändler, dann empfiehlt es sich, auf eine einheitliche Färbung der Bohlen zu achten. Weil der Farbton von Erlenholz sehr variieren kann, erreichst du ein besonders harmonisches Erscheinungsbild, indem du nur Holz von einem einzigen Stamm nutzt. Lagerst du das Holz für längere Zeit, dann solltest du die Bohlen besäumen, denn sonst droht der Befall durch Holzwürmer.

Die Bearbeitung von Erlenholz mit Handwerkzeug erfordert nur wenig Kraft. Lass dich von dem meist recht astigen Wuchs der Erle nicht beirren: Das Holz lässt sich gut hobeln. Leidglich auf Faserabweichungen solltest du achten, damit du keine filzigen Stellen in der Oberfläche erzeugst. Auch Drechsler arbeiten gern mit dem gut zu bearbeitenden Holz. Holzverbindungen kannst du durch Schrauben und Nageln ebenso haltbar gestalten wie durch Verleimen.

Oberflächenbehandlung und Pflege

Für Heimwerker nicht ganz unerheblich: Erlenholz kannst du besonders unkompliziert eine glatte und glänzende Oberfläche verleihen. Dafür sorgt unter anderem die gute Schleifbarkeit. Um den natürlichen Farbton der Erle nach deinen Wünschen zu verändern, kannst du Beizen in allen verfügbaren Farbtönen einsetzen. In Hinsicht auf Farbe und Struktur kann die Erle so zu einer günstigen Alternative für teure und teils beschränkt verfügbare Laubhölzer wie Kirschbaum, Nussbaum und Mahagoni werden. Restaurateure beizen daher oft Erle auf den benötigten Farbton, um defekte Teile an alten Möbeln zu ersetzen.

Das Holz der Erle wirst du in aller Regel für den Innenraum einsetzen. Daher sind es weniger Lasuren, sondern vielmehr Lacke, Wachse und Öle, die für die Oberflächenveredelung infrage kommen. Alle diese Mittel kannst du mit gängigen Methoden gut verarbeiten. Dennoch solltest du beim Auftrag der Oberfläche besonders sorgfältig vorgehen. Ebenso wie die Buche ist das Holz sehr saugfähig. Bleibt beispielsweise Öl an einzelnen Stellen länger auf der Oberfläche stehen, dann bilden sich leicht unschöne Flecken, weil das Holz dort stärker durchtränkt wird.

Die gegenüber der Buche ebenso gute Verfügbarkeit, die geringere Neigung zum Verziehen sowie die bessere Bearbeitbarkeit machen die Erle zum Geheimtipp für Neueinsteiger in Sachen Holzbearbeitung.


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