Der Werkstoff Holz

Die Eiche ist eine der bedeutendsten Laubbäume der Holzindustrie: Die Holzart bietet viele positive Eigenschaften, eine gleichmäßige Maserung und gilt als sehr beständig.


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Die Eiche gilt als eine der härtesten und dauerhaftesten einheimischen Holzarten. Diesen guten Ruf machen sich zunehmend andere Holzarten unter irreführenden Handelsnamen zunutze. Dabei teilen chilenische, afrikanische, indische oder brasilianische Eiche nur die wenigsten ihrer vorteilhaften Eigenschaften mit der in Europa beheimateten Weißeiche. Was die heimische Eiche auszeichnet, eine kleine Baumkunde und Tipps für die Verarbeitung haben wir für dich zusammengestellt.

Erscheinungsbild

Im Wald kann die Eiche astfreie Stämme von zwölf bis 15 Meter Länge entwickeln. Der Durchmesser liegt bei der Ernte meist im Bereich zwischen 40 und 100 Zentimetern. Die Gestalt freistehender Eichen weicht davon ab, denn sie weisen besonders dicke, dafür aber kurze Stämme auf.

Im geschnittenen Zustand zeigt die Eiche einen rötlichen Schimmer und verströmt einen säuerlichen Geruch. Dieser ist auf den hohen Gehalt an vegetabilen Gerbstoffen zurückzuführen. Das Splintholz der Eiche ist weiß bis hellgrau und hebt sich deutlich vom lederbraunen Kernholz ab. Anders als bei der Buche spricht man bei der Eiche daher von einem Kernholzbaum.

Die Jahrringe lassen sich im Querschnitt deutlich erkennen. Auch die Holzstrahlen sind bei der Eiche besonders ausgeprägt. Insgesamt ergibt sich der Gesamteindruck eines deutlich strukturierten Holzes. Die Jahrringbreite und die gleichmäßige helle Färbung sind die wichtigsten Kriterien bei der Sortierung dieser Holzart.

Technische Eigenschaften

Bei Eichenholz entscheidet das Verhältnis von Früh- und Spätholz über das Gewicht. Entscheidend dafür sind die Wuchsbedingungen am Standort der Eiche. Je breiter die Jahrringe sind, desto höher ist der Spätholzanteil, es handelt sich tendenziell um gröberes und härteres Holz. Ein Stamm mit schmalen Jahrringen verspricht dagegen zarteres Holz.

Eiche ist eine besonders dauerhafte Holzart, die widerstandsfähig gegen Holzzerstörer ist.

Weitere Anhaltspunkte geben die Breite des Splintanteils und die Graufärbung des Holzes. Je stärker diese Merkmale ausgeprägt sind, desto härter ist meist das Holz. Solche schwere Qualitäten werden bevorzugt für stark beanspruchte Konstruktionen wie Fenster, Boote, Fußböden und Brücken eingesetzt. Allgemein handelt es sich bei der Eiche jedoch um eine Holzart von besonderem Abnutzungswiderstand und sehr guten Festigkeitseigenschaften.

Nach der Trocknung ist das Stehvermögen des Holzes generell gut, das Quellen und Schwinden ist bei schwerem Holz stärker ausgeprägt. Mit Ausnahme des anfälligen Splintholzes ist Eiche eine besonders dauerhafte Holzart, die widerstandsfähig gegen Holzzerstörer ist.

Verwendung

Wegen dieser Dauerhaftigkeit wird Eichenholz im Innen- und Außenbereich vielfältig eingesetzt. Es eignet sich besonders zu Bau von Tragwerken und Flüssigkeitsbehältern.

Die Holzart Eiche eignet sich für den Bau von Weinfässern.
Ein gutes Beispiel für die Haltbarkeit von Eichenholz im Kontakt mit Flüssigkeiten sind Eichenfässer. Auch nach jahrzehntelanger Nutzung kann das Holz der Fassdauben oft noch einer weiteren Verwendung zugeführt werden. Oftmals wird die Färbung des Holzes, wie sie beispielsweise Rotwein über die Zeit verursacht, dabei als gestalterisches Element genutzt.

Im Innenbereich wird Eichenholz schon immer gern für den Bau von Möbeln, Treppen und Fußböden eingesetzt. Wurde früher auf eine möglichst ruhige Optik Wert gelegt, so kommen in den letzten Jahren zunehmend unruhigere Sortierungen zum Einsatz, die als Ast- oder Wildeiche bezeichnet werden. Eiche wird daneben auch für Wandvertäfelungen und Deckenbekleidungen eingesetzt. Beim großflächigen Einsatz schlägt der relativ hohe Preis der Holzart jedoch stark ins Gewicht.

Verarbeitung

Die Gesamtheit ihrer Eigenschaften macht die Eiche zu einem der bestgeeigneten heimischen Materialien für den Bau von Holzfenstern. Hier kann sie ihre Stärken im täglichen Kontakt mit Niederschlag, Feuchtigkeit, UV-Strahlung sowie Pilzen und Insekten ausspielen. Gleichzeitig macht das angenehme Erscheinungsbild der Eiche die Fensterrahmen zu einem Hingucker.

Vor der Verarbeitung zum Endprodukt muss das Schnittholz erst einmal getrocknet werden. Der Feuchtigkeitsentzug sollte bei der Holzart Eiche besonders schonend erfolgen. Bei zu harter Trocknung drohen nicht nur Risse und Verwerfungen, sondern auch Verfärbungen im Holz. Idealerweise wird das Holz zuerst im Freien gestapelt, wobei die Hirnenden vor der Witterung geschützt werden sollten. Dafür kannst du das Holz mit Wachs bestreichen oder es darin eintauchen. Nach einem Jahr kann das Holz in einem luftigen Schuppen weiter gelagert werden.

Eichenholz ist trotz seiner Härte mit scharfen Hand- und Maschinenwerkzeugen aller Arten gut zu bearbeiten. Erkennst du an deinem Eichenholz sehr breite Jahrringe von über drei Millimetern, solltest du dich allerdings auf eine erschwerte Bearbeitung einstellen. Das Holz ist leicht spaltbar, weshalb Löcher für Schrauben und Nägel am besten vorgebohrt werden sollten.

Verbindungen lassen sich auch mit Leim sehr gut herstellen. Zu beachten ist jedoch, dass stark alkalische Klebstoffe zu Flecken auf dem Holz führen können. Auch Schleifpartikel können mit der Gerbsäure reagieren und ungewollte Färbungen verursachen. Mit einem geeigneten Bleichmittel kannst du das aber leicht beheben.

Oberflächenbehandlung und Pflege

Auch was die Oberflächenbehandlung angeht, ist die Eiche unkompliziert. Von Beizen über Lasieren, Ölen bis Lackieren steht dir das gesamte Spektrum zur Verfügung. Ist das Ziel eine glatte Oberfläche, dann müssen die charakteristischen groben Poren durch einen Füller geschlossen werden. Hobbyhandwerker bedienen sich dabei oft des Ölschliffverfahrens, bei dem Schleifstaub und Bimsmehl in das Holz eingearbeitet werden. Für die Oberflächenbehandlung von Eiche haben sich aber auch einige spezielle Verfahren herausgebildet, die sich dessen Besonderheiten hinsichtlich chemischer Zusammensetzung und Anatomie zunutze machen.

Was die Oberflächenbehandlung angeht, ist die Eiche unkompliziert. Von Beizen über Lasieren, Ölen bis Lackieren steht dir das gesamte Spektrum zur Verfügung.

Beim Räuchern von Eiche wird eine durchgehende schwarzbraune Färbung erzielt, indem die Gerbsäure mit Ammoniak zur Reaktion gebracht wird. Dazu reicht es, eine Schale mit Salmiakgeist aufzustellen. Über die Luft reagieren Ammoniak und die Gerbsäure im Holz. Die Intensität der Färbung und die Tiefenwirkung lassen sich über die Dauer des Räuchervorgangs und das Mengenverhältnis von Gerbsäure und Ammoniak steuern. Das Besondere dabei ist, dass die Färbung von allen Seiten ins Holz eindringt. Das ist ein großer Vorteil des Räucherns gegenüber dem Beizen, bei dem lediglich die Oberfläche gefärbt wird. Willst du selbst Räuchereiche herstellen, dann solltest du beachten, dass Holz unterschiedlicher Bäume mit abweichendem Gerbsäuregehalt keine einheitliche Farbe annimmt.

Auch das Kalken ist eine empfehlenswerte Oberflächenbehandlung für Eichenholz. Dabei werden die tiefen Poren des Holzes mit einer Kalkeichenpaste gefüllt, was zu einer sehr hellen Optik führt. Gleichzeitig wird die charakteristische Maserung beibehalten.


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