Der Werkstoff Holz

Die Holzart Buche ist hierzulande kaum wegzudenken. Wir klären auf, was das Holz ausmacht, wie es sich bearbeiten lässt und wo es am besten eingesetzt wird.


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Die Buche ist in unseren Breiten eine überaus verbreitete Holzart. Mit einem Fünftel des jährlichen Holzaufkommens ist sie aus vielen Bereichen der Holzwirtschaft nicht wegzudenken. Durch ihre Verwendung für die Herstellung von Möbeln in der sogenannten Bugholztechnik hat die Holzart Buche große Bedeutung in der Möbelindustrie erlangt. Wie man das eigentlich wenig biegsame Buchenholz fit für diese Anwendung macht, woran man Buchenholz erkennen kann und wie du das Material am besten verarbeitest und dauerhaft pflegst, klären wir in diesem Beitrag.

Erscheinungsbild

Weil die Buche nach einem guten Boden verlangt, finden sich die Bestände vor allem in der Ebene und den unteren Lagen der Mittelgebirge. Die Bäume erreichen Durchmesser von 50 bis 80 cm. Von der Gesamtlänge von 25 bis maximal 40 m bleibt ein astfreier Schaft von bis zu 15 m. Die Buche hat eine glatte, graue Rinde und bildet meist eine weit ausladende Krone aus. Mit Ihren Wurzeln und ihrem Laub lockert sie den Waldboden auf und sorgt für einen gesunden Bestand.

Im trockenen Zustand sind Splint- und Kernholz nicht zu unterscheiden. Der Fachmann ordnet die Holzart Buche daher der Gruppe der Reifholzbäume zu. Ältere Bäume zeigen einen Kern mit roter oder sogar dunkelbrauner Färbung. Generell weist die Buche sehr kleine, gleichmäßig über den Querschnitt verteilte Gefäße auf. Die Zuwachszonen sind sichtbar voneinander abgegrenzt, denn die schmalen Spätholzzonen zeichnen sich deutlich ab.

Mit ihrer hohen Tragfähigkeit ist die Buche besonders für statische Belastungen geeignet.

Das Erscheinungsbild des Holzes machen die helle und homogene Farbgebung sowie die dichte und harte Oberfläche aus. Belebt wird die Optik durch die typischen Holzstrahlen, die beim Tangential- oder Radialschnitt als feine, dunkle Striche hervortreten.

Technische Eigenschaften

Im Vergleich zu anderen heimischen Holzarten ist die Buche ein schweres Holz. Es weist überdurchschnittlich gute Festigkeitseigenschaften auf. Buchenholz ist äußerst zäh und hart, im Gegenzug im Rohzustand allerdings auch wenig elastisch. Mit ihrer hohen Tragfähigkeit ist die Buche daher besonders für statische Belastungen geeignet. Das Holz hat allerdings auch einige Defizite, die sich besonders bei der Verarbeitung größerer Dimensionen negativ auswirken. Das Stehvermögen des Holzes ist nämlich schlecht und es neigt zum Reißen.

Verwendung

Buche ist eine besonders vielfältig einsetzbare Holzart, schwerpunktmäßig findet sie allerdings beim Innenausbau Verwendung. Die harte Oberfläche prädestiniert die Buche zusammen mit der Eiche für die Herstellung von Treppen, Fußböden und Möbeln, die sich durch besondere Haltbarkeit auszeichnen.

Eine Konsole aus der Holzart Buche
Der vielseitigen Verwendbarkeit verdanken wir, dass Erzeugnisse aus Buchenholz in den verschiedensten Formen angeboten werden. Buche findest du sogar in jedem Baumarkt in ausreichender Vielfalt als Vollholz, Leimholz und Sperrholz. Den Weg zum Holzhändler kannst du dir also meist sparen. Weniger hochwertiges Buchenholz und Abschnitte werden unter anderem zu Paletten und Aktivkohle für den medizinischen Einsatz verarbeitet.

Einsatz im Außenbereich

Für den Außenbereich ist Buche im Allgemeinen nicht das beste Material. Durch die thermische Behandlung kann der Holzart jedoch zu einer Feuchtigkeitsbeständigkeit verholfen werden, die auf dem Niveau von Tropenholz liegt. Dann kann das Holz auch als Material für den Bau von Fenstern und Türen eingesetzt werden. Vor allem für Holz-Aluminium-Fenster wird Buchenholz mittlerweile eingesetzt.

Resteverwertung als Brennholz

Buchenholz ist auch ein sehr beliebtes Brennholz, es brennt nämlich besonders heiß, lange und hell. Zum Grillen wird deshalb oft Buchenfeuer oder Buchenholzkohle verwendet. Wer einen Ofen besitzt, muss sich also über die Resteverwertung nach einem Bauprojekt keine Sorgen machen.

Verarbeitung

Zuallererst muss das Buchenholz getrocknet werden. Dabei erfordert die Holzart ein bisschen mehr Sorgfalt als andere Hölzer. Denn Buche neigt beim Trocknen zum Verformen und Reißen. Beziehst du frisches Schnittholz vom Sägewerk, dann solltest du dieses besonders gründlich stapeln. Die geringe Formstabilität bei wechselnden Umgebungsbedingungen bleibt jedoch auch nach dem Trocknen eines der größten Mankos der Buche.

Dank seiner gleichmäßigen Struktur werden beim Fräsen, Drechseln und Schnitzen von Buchenholz besonders gute Oberflächen erreicht.

Buche wird auch häufig in gedämpfter Ausführung angeboten. Das Dämpfen sorgt für eine Intensivierung der natürlichen Färbung der Buche und baut Spannungen im Holz ab. Dabei wird gleichzeitig die Neigung zur Rissbildung gemindert und die Eignung zum Biegen verbessert.

Buche ist ein hartes Holz, du kannst es dennoch mit allen Werkzeugen sowohl maschinell als auch von Hand gut bearbeiten. Dank seiner gleichmäßigen Struktur werden beim Fräsen, Drechseln und Schnitzen besonders gute Oberflächen erreicht. Die erreichbare Maßhaltigkeit sorgt auch dafür, dass sich Holzverbindungen von hoher Passgenauigkeit herstellen lassen.

Ein Klassiker aus der Holzart Buche: Der Thonet-Stuhl, viel eingesetzt in Kaffeehäusern

Geleimte Verbindungen von Längs- und Hirnflächen sind problemlos machbar. Willst du als Verbindungselemente Schrauben oder Nägel mit größeren Durchmessern verwenden, dann solltest du vorbohren.

Durch das Thonet-Verfahren wird die besondere Eignung der Buche zum Biegen nutzbar gemacht. Dabei wird das gedämpfte Holz im noch warmen Zustand gebogen und durch ein Zugband bis zum Erkalten in der gewünschten Form fixiert. Dem Erfinder Michael Thonet und seinem bekanntesten Produkt, dem Kaffeehausstuhl, hat das Verfahren zu weltweiter Bekanntheit verholfen. Es hat eine neue Formensprache und gleichzeitig die besonders verlustarme und effiziente Produktion von Sitzmöbeln ermöglicht. Das Prinzip kannst du übrigens im Kleinen auch in der heimischen Werkstatt anwenden.

Oberflächenbehandlung und Pflege

Eine gut ausgeführte Oberflächenbehandlung bringt die Schönheit des Holzes erst richtig zur Geltung und sorgt dafür, dass das Material dauerhaft erhalten wird. Das gilt generell für jede Holzart, besonders aber für die Buche. Denn Buchenholz ist ohne Schutzmaßnahmen sehr anfällig für pflanzliche und tierische Holzzerstörer. Pilze und Insekten setzen dem Holz besonders dann zu, wenn es Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Buchenholz kann man jedoch imprägnieren, um dieses Defizit auszugleichen. In der industriellen Verarbeitung werden so beispielsweise vergütete Holzwerkstoffe wie Isolier-Vollholz und Kunstharz-Pressholz hergestellt.

Für die Oberflächenbehandlung stehen dir grundsätzlich alle Mittel zur Verfügung. Durch Beizen kann die Buche mit nahezu jeder gewünschten Färbung versehen werden. Auf diese Weise kannst du die Buche zu einer preislich besonders attraktiven Alternative für den ungleich teureren Nussbaum machen. Soll die natürliche Farbe betont werden, dann bieten sich in Kombination mit dem gedämpften Holz farblose Lasuren, Wachse und Öle an. Dank seiner glatten Oberfläche lassen sich mit einer Lackierung bei Buchenholz sehr ansprechende Oberflächen erzielen. Das Holz dunkelt am Licht nur sehr wenig nach, deswegen ist eine pigmentierte Oberflächenbehandlung in der Regel nicht notwendig. Aufgrund des eingeschränkten Standvermögens reagieren Möbel und andere Gegenstände aus Buche besonders empfindlich auf Veränderungen im Raumklima. Du solltest daher ein Auge darauf haben, dass Wechsel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit nicht zu stark ausfallen.

Foto Konsole via Ikarus; Foto “BLW Bentwood Chair” von Valerie McGlinchey, CC BY-SA 2.0


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