Der Werkstoff Holz

Akazie ist eine besondere Holzart, die in unseren heimischen Wäldern nicht auftaucht. Was sie besonders macht und wie sie in Erscheinung tritt, erfährst du hier.


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Wenn du dir von diesem Beitrag Informationen zur echten Akazie erwartest, dann müssen wir dich gleich zu Beginn enttäuschen. Denn hier geht es um die sogenannte falsche Akazie, die auch als Robinie bekannt ist. Wer im Heimwerkermarkt oder im Möbelgeschäft Akazie kauft, der bekommt statt dem Tropenholz aus Afrika fast immer die mittlerweile hier kultivierte Robinie.

Das klingt negativer als es ist, denn die Robinie hat einige sehr vorteilhafte Eigenschaften. Mit der Akazie gemeinsam hat diese Holzart nämlich die besonders gute Haltbarkeit bei der Verwendung im Außenbereich. Die Robinie ist die einzige Holzart ohne tropische Herkunft, die die Anforderungen der Resistenzklasse 1 -2 nach DIN 68 364 erfüllt. Etwas kann die Robinie sogar besser als die Akazie: Du kannst das Holz guten Gewissens kaufen, ohne den Raubbau an den Urwäldern und lange Transportwege zu unterstützen. Auch die Verfügbarkeit der Robinie ist grundsätzlich gut, denn sie wächst auch an ungünstigeren Standorten. Was Aussehen und technische Eigenschaften der Robinie auszeichnet und wie du das Holz am besten bearbeitest und pflegst, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Erscheinungsbild

Sie stammt zwar ursprünglich aus Amerika, aber heute wird die falsche Akazie weltweit kultiviert. Auf unserem Kontinent ist sie am stärksten in Südosteuropa vertreten.

 Baumstamm Akazie, Hintergrund Wald 
Der mittelgroße Baum erreicht Höhen von 12 bis 25 Meter und misst im Querschnitt bei seiner Ernte maximal 60 Zentimeter. Typisch ist der kurze astfreie Schaft, der die Holzausbeute stark begrenzt. Dazu kommen auch noch unrunder Wuchs und Spannrückigkeit als weitere Wuchsfehler. Wächst die falsche Akazie aber im geschlossenen Bestand und wird regelmäßig gepflegt, dann lässt sich die Gestalt des Baumes und dementsprechend die holzwirtschaftliche Nutzbarkeit deutlich verbessern.

Ist der Baum einmal gefällt, dann kommt sein weiß bis hellgelb gefärbter Splint zum Vorschein. Je älter der Baum, desto schmaler ist der Splint, der das deutlich dunkler gefärbte Kernholz umgibt. Die Einwirkung von Licht verursacht das Nachdunkeln des Kernholzes von hellbraun zu goldbraun und verstärkt den Kontrast noch weiter. Weiterhin fällt im Querschnitt auf, dass die Poren im Spätholz deutlich kleiner ausfallen als die im Frühholz. Die häufigen Abweichungen im Wuchs der Robinie zeigen sich auch im Längsschnitt in Form eines unregelmäßigen Faserverlaufs. Die falsche Akazie liefert insgesamt Holz von einer lebhaften Struktur, das sich durch einen warmen Farbton auszeichnet.

Technische Eigenschaften

Das Holz des Laubbaums ist schwer und hart. Nicht nur bei der Dauerhaftigkeit, sondern auch bei diesen Kennwerten übertrifft die falsche Akazie die Eiche teilweise deutlich. Gut für die Bearbeitung ist, dass das Holz schwer spaltbar ist. Besonders günstig fällt auch die dynamische Belastbarkeit aus. Konstruktionen aus Robinie sind elastisch und zäh, sie reagieren auch auf hohe Belastungen indem sie sich verformen statt zu brechen. Für den Außeneinsatz eignet sich das Holz deswegen, weil es im getrockneten Zustand ein sehr gutes Stehvermögen aufweist. Anders als beispielsweise bei der Buche stehen hier die Schwindmaße in einem günstigen Verhältnis zur Rohdichte. Das Kernholz der Robinie ist besonders widerstandsfähig gegen Pilze und Insekten und auch im Kontakt mit Wasser unempfindlich.

Du kannst das Holz guten Gewissens kaufen, ohne den Raubbau an den Urwäldern und lange Transportwege zu unterstützen.

Verwendung

Robinie wird als naturkrummes Rundholz in verschiedene Durchmesser sortiert angeboten. Je nach Ausführung ist es nur von der Rinde oder auch vom Splint befreit. In geringeren Stärken werden Pfähle mit einem angespitzten Ende vertrieben. Damit ist bereits eine besonders verbreitete Nutzung der Robinie vorweggenommen, nämlich der Landschafts- und Obstbau. Doch auch in vielen Gärten und auf Spielplätzen ist die Robinie in Form von Zäunen und Spielgeräten vertreten. Die hohe dynamische Belastbarkeit der Holzart macht man sich durch die Verwendung beim Bau von Turngeräten und als Werkzeugstiel zunutze.

Die Möbelindustrie greift ebenfalls gerne auf die falsche Akazie zurück. Kein Wunder, dass auch Heimwerker sich über die laubholztypische Optik zum vergleichsweise günstigen Preis freuen. Wer Möbel selbst bauen will, der kann sich unkompliziert im Baumarkt mit Leimholzplatten versorgen. Hier wirst du aber meist nur fündig, wenn du die lebhafte Optik von keilgezinkten Lamellen magst. Gerade gewachsene Hölzer in ausreichenden Dimensionen sind nämlich selten. Der große Anteil von Holz in kleinen Abmessungen lässt sich gut für die Herstellung von Parkett nutzen.

Verarbeitung

Wie immer steht aber die Trocknung zwischen dem frischen Holz und der Umsetzung deiner Ideen. Hier zahlt sich Geduld aus, denn Faserabweichungen und Wuchsspannungen äußern sich durch eine gesteigerte Neigung zum Verwerfen. Die Ergebnisse kannst du jedoch verbessern, indem du das Robinienholz draußen vortrocknest und das Hirnholz durch Abdichten schützt.

Startest du mit der Bearbeitung, dann belohnt dich das Holz schon nach dem Hobeln durch eine besonders glatte und dichte Oberfläche. Die Kanten bleiben scharf und bieten optimale Bedingungen für die weitere Bearbeitung. Daher lassen sich auch präzise Verbindungen durch Schrauben, Nageln und Leimen herstellen. Die häufig gewünschte Kombination aus Anfangs- und Endfestigkeit erreichst du erst durch die Kombination der Verfahren. Willst du vermeiden, dass sich das Holz im Kontakt mit Metall und Feuchtigkeit verfärbt, solltest du reine Holzverbindungen bevorzugen. Alternativ kannst du dir mit Verbindungselementen aus rostfreiem Stahl behelfen – für den Außeneinsatz sicher eine gute Wahl.

Es stimmt übrigens, dass die in der Rinde der Robinie enthaltenen Flavonoide allergische Reaktionen wie Dermatitis oder Ekzeme hervorrufen können. Vor dem Hintergrund, dass Robinie selbst als Schnittholz nahezu ausschließlich ohne Rinde verkauft wird, stellt das in der Praxis jedoch keine Gefahr dar.

Für den Außeneinsatz eignet sich das Holz deswegen, weil es im getrockneten Zustand ein sehr gutes Stehvermögen aufweist.

Oberflächenbehandlung und Pflege

Die falsche Akazie ist eine von Natur aus besonders dauerhafte Holzart. Du solltest trotzdem nicht auf eine Oberflächenbehandlung verzichten, wenn du diesen Vorteil voll ausspielen willst. Für den Außeneinsatz bieten sich transparente Lacke auf der Basis von Alkyd- oder Epoxidharz an. Gegen das Ausbleichen an der Sonne schützt du das Holz am besten durch einen Lasuranstrich, dessen Pigmente die Strahlung absorbieren. Bevorzugst du die unverfälschte Optik, dann kannst du das Holz auch natürlich vergrauen lassen. Dank der guten Dauerhaftigkeit des Holzes hast du trotzdem viele Jahre deine Ruhe.

Noch weniger Gedanken musst du dir beim Oberflächenfinish deiner Möbel für den Innenbereich machen. Aus Beize, Lacken, Wachsen und Ölen kannst du deinen Favoriten wählen. Als Laubholz mit einem, speziell nach dem Dämpfen, kastanienbraunen Farbton wirkt das Holz besonders edel. Kein Wunder, dass Eiche und Teakholz auf der Liste der Austauschhölzer stehen.


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