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Egal ob Schreiner, Restaurator oder ambitionierter Freizeithandwerker: Jeder, der mit dem natürlichen Material Holz arbeitet, sollte wissen, mit welcher Holzart genau er es zu tun hat. Lies hier mehr zur Holzbestimmung.


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Die Vielfalt der Eigenschaftsprofile hebt Holz von anderen Baustoffen hab. Die Unterschiede verschiedener Holzarten erschöpfen sich aber längst nicht in den offensichtlichsten Merkmalen wie Maserung und Farbe. Es gibt eine Vielzahl weiterer Attribute, die ausschlaggebend für die Art und Weise der Verwendung, Verarbeitung und Pflege des Holzes sind.

In den folgenden Abschnitten erhältst du daher wichtige Tipps zur Holzbestimmung. Die ersten Male wird dir die Unterscheidung verschiedener Holzarten noch schwer fallen, doch mit etwas Übung und dem passenden Anschauungsmaterial kann jeder lernen, worauf es bei der Holzbestimmung ankommt.

Wieso du Holzarten bestimmen können solltest

Über die geschultesten Augen zur Bestimmung von Holzarten verfügen sicherlich Restaurateure, die antike Möbel oder andere Einrichtungsgegenstände aus Holz in Stand setzen. Denn oft müssen sie ganze Fehlteile ersetzen oder auch nur kleine Stellen nachbessern. Doch nichts ist dem Gesamtbild abträglicher, als eine nicht fachgerecht reparierte Einlegearbeit. Setzt der Restaurateur hier die falsche Holzart ein, ergibt sich fast zwangsläufig eine unharmonische Optik. Wer den Umgang mit verschiedenen Holzarten perfektioniert hat, kann aber auch durch den bewussten Einsatz einer anderen Holzart ans Ziel kommen. Für den Ersatz schwer erhältlicher Holzarten arbeiten Profis gezielt mit Beizen. So können sie das originale Holz durch ein farblich angeglichenes Austauschholz ersetzen. Doch auch dazu müssen die Fachleute im Stande sein, eine von Natur aus zumindest in der Struktur möglichst ähnliche Holzart auszuwählen.

Die Reparatur älterer Werkstücke ist längst nicht die einzige Situation, in der es wichtig ist, Holzarten bestimmen zu können. Schließlich sammelt sich auch bei Hobby-Handwerkern mit der Zeit ein Holzvorrat an, der optimal verarbeitet werden will. Doch nicht nur das: Irreführende Handelsnamen und unzureichend deklarierte Materialien machen die Holzartenbestimmung auch beim Kauf fertiger Produkte aus Holz zu einer wertvollen Fähigkeit.

Holzhärte: Wichtiges Kriterium

Der Handel und die Literatur teilen Hölzer oft grob nach ihrer Härte in die Klassen Weich- und Hartholz ein. Das ist auch sinnvoll, denn für viele Anwendungen ist die Härte ein ausschlaggebendes Kriterium. Weit verbreitet ist aber der Irrglaube, dass diese Unterscheidung gleichbedeutend mit der Trennung zwischen Nadel- und Laubhölzern ist.

Tendenziell weisen Nadelhölzer zwar eine geringere Dichte als Laubhölzer auf, doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Die leichteste und damit weichste heimische Baumart ist die Pappel, ein Laubbaum.


Es ist wichtig zu wissen, dass eine Darrdichte von 550 kg/m3 die Grenze zwischen Weich- und Hartholz markiert. Hölzer mit geringerer Dichte zählen zu den Weichhölzern, alle anderen zu den Harthölzern. Nun stellen Dichte und Härte grundsätzlich voneinander unabhängige Materialkennwerte dar. Doch anders als bei anderen Materialien besteht bei Holz eine Proportionalität zwischen den beiden Werten, die diese Unterscheidung ermöglicht. Im frischen Zustand unterscheiden sich Hölzer im Zellaufbau und im Wassergehalt. Nach der Trocknung weisen manche Hölzer bei identischem Volumen daher ein deutlich geringeres Gewicht auf. Die Darrdichte ist aber stets ein theoretischer Wert, denn für seine Ermittlung wird dem Holz die Feuchtigkeit vollständig entzogen. Je nach geplanter Anwendung weist verarbeitungsfertiges Holz eine Feuchte zwischen 8 und 18 Prozent auf.

Die wichtigsten weiteren Merkmale zur Holzbestimmung

Die Härte ist nur ein Bestandteil eines ganzen Kataloges von Kriterien zur Unterscheidung verschiedener Holzarten. Zwar kann dir auch eine feine Nase bei der Bestimmung charakteristischer Gerüche erkennen, doch die übrigen Unterscheidungsmerkmale erfordern in erster Linie ein gutes Auge. Sie betreffen nämlich die Struktur des Holzes, die sich auf verschiedene Weisen in dessen Erscheinungsbild äußert.

Auch hier hilft ein Blick auf die Holzzellen weiter. Laubbäume verfügen über drei Arten von Zellen, die jeweils Stütz-, Leit- oder Speicherfunktionen wahrnehmen. Die Leitzellen werden auch als Poren bezeichnet. Auch Nadelbäume verfügen über Speicherzellen, doch ihre sogenannten Tracheiden können der Pflanze gleichzeitig Stabilität verleihen und Flüssigkeit verteilen.

Holzarten lassen sich anhand ihres Querschnitts bestimmen.
Den Unterschied kannst du am besten im Querschnitt erkennen: Während Nadelhölzer keine Poren zeigen, dient die Anordnung der Poren bei Laubhölzern einer genaueren Unterteilung.

Damit kannst du die Holzart aber noch nicht eindeutig bestimmen. Zusätzliche Sicherheit geben die Deutlichkeit der Jahresringe, die farblichen Unterschiede zwischen Splint- und Kernholz sowie Holzstrahlen. Diese Holzstrahlen sind für die Versorgung des Holzes quer zur Wuchsrichtung verantwortlich. Diese Merkmale kannst du teilweise besser im Querschnitt oder im Längsschnitt prüfen.

Hast du das zu bestimmende Holz also nicht gerade frisch gesägt, sondern hat es bereits eine längere Lagerzeit hinter sich, hilft es, wenn du etwas Werkzeug zur Hand hast. Mit einem Handhobel kannst du in Längsrichtung etwas von der Holzoberfläche freilegen. Stellst du dann auch noch mit einer Säge einen frischen Schnitt in Querrichtung her, hast du perfekte Ausgangsbedingungen für die Holzartenbestimmung geschaffen. So können dich Oberflächenbehandlungen, Verwitterung, Verschmutzung nicht auf die falsche Fährte lenken.

Daran kannst du die gebräuchlichsten heimischen Holzarten unterscheiden

Hast du das Holz entsprechend vorbereitet, dann kannst du nun die verschiedenen Kriterien für die Holzerkennung nacheinander überprüfen. In dieser Tabelle haben wir dir die wichtigsten Merkmale und deren Ausprägung für die bedeutendsten einheimischen Holzarten zusammengestellt.

BUCHE EICHE LÄRCHE KIRSCHBAUM KIEFER
Holzfarbe bräunlich bräunlich rötlich rötlich rötlich
Ein- oder Zweifarbigkeit (Splint und Kern) einfarbig zweifarbig zweifarbig zweifarbig zweifarbig
Jahresringe im Querschnitt sichtbar deutlich deutlich scharfer

Übergang

deutlich teilweise

scharfer

Übergang

Poren im Querschnitt zerstreut ringförmig keine ringförmig keine
Zeichnung im Längsschnitt schwach deutlich deutlich schwach deutlich
Spiegel im Längsschnitt deutlich deutlich undeutlich deutlich undeutlich
Härte hart hart weich hart weich
Geruch ohne sauer harzig ohne harzig
Harzgänge nein nein ja nein ja
Rinde glatt gefeldert borkig abblätternd borkig

 

Freilich wirst du dein Holz nicht immer auf alle Merkmale prüfen können. Schließlich weisen die wenigsten Rohlinge zum Schnitzen oder Drechseln noch Rinde auf. Doch auch sonst ist ein Zuschnitt nicht immer repräsentativ für die gesamte Holzart. Denn gerade das individuelle Erscheinungsbild, zu dem auch Holzfehler gehören, zeichnen Holz als Naturprodukt aus.

Hast du bestimmt, um welches Holz es sich handelt, kannst du dich genauer mit den Eigenschaften der Holzart befassen. So findest du heraus, ob sich das Holz für die Umsetzung deines Projekts eignet und was es bei Verarbeitung und Pflege zu beachten gilt. Die erste Anlaufstelle für detaillierte Informationen zu allen relevanten Holzarten ist unsere Rubrik Der Werkstoff Holz.


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